Robin Alexander in der Bonifatiuskirche
Die Bonifatiuskirche in Herne bot kürzlich einen ungewöhnlichen Rahmen für eine politische Lesung. Der Journalist und Autor Robin Alexander nahm die Zuhörerinnen und Zuhörer mit hinter die Kulissen der Berliner Politik - in eine Welt, die oft deutlich härter ist, als sie von außen wirkt.
In seiner Lesung sprach Alexander offen über die Erbarmungslosigkeit, die das politische Geschäft heute prägt. Politik sei längst kein Ort mehr für romantische Vorstellungen, sondern ein Feld permanenter Auseinandersetzungen. Entscheidungen müssten unter enormem Druck getroffen werden, während öffentliche Aufmerksamkeit, parteipolitische Konkurrenz und mediale Dynamiken jede Bewegung begleiten. Wer Politik betreibe, müsse deshalb nicht nur Überzeugungen haben, sondern auch die Fähigkeit, Rückschläge auszuhalten. Dabei gehen diese Rückschläge nicht nur auf die politischen Inhalte, sondern auch explizit auf die Person. Das ist ein emotionaler und psychischer Drahtseilakt, den nicht jeder schafft.
Dabei betonte Alexander, dass politischer Fortschritt selten mit Mehrheiten beginne. Große politische Ideen hätten oft zunächst keine Mehrheit, erklärte er. Gerade deshalb sei es Aufgabe von Politikerinnen und Politikern, neue Gedanken mutig in die Debatte einzubringen. Erst danach beginne die eigentliche politische Arbeit: Mehrheiten zu suchen, zu überzeugen und Kompromisse zu finden.
Auch die Rolle der CDU als christlich-demokratische Partei griff Alexander auf. Das „C“ im Parteinamen, so seine Beobachtung, stehe immer wieder unter Spannung. Es werde von unterschiedlichen Seiten interpretiert und kritisiert. Einerseits gebe es Erwartungen an eine klare Werteorientierung, andererseits müsse sich die Partei auch immer wieder an den sozialen Apspekt des Christlichen messen lassen. Den einen sei man zu links, den anderen zu rechts. Dieses Spannungsfeld begleite die Partei seit ihrer Gründung.
Ein weiterer zentraler Punkt seiner Ausführungen war der Umgang mit Politikverdrossenheit. Alexander plädierte dafür, „mehr reinen Wein einzuschenken“. Politik müsse ehrlicher kommunizieren, auch wenn Wahrheiten unbequem seien. Viele Bürgerinnen und Bürger hätten das Gefühl, politische Prozesse seien intransparent oder würden beschönigt dargestellt. Mehr Offenheit über Schwierigkeiten, Zielkonflikte und Entscheidungsprozesse könne dazu beitragen, Vertrauen zurückzugewinnen.
Die Lesung in der Bonifatiuskirche zeigte eindrucksvoll, wie eng Politik, Gesellschaft und öffentliche Erwartungen miteinander verwoben sind. Robin Alexander gelang es dabei, einen nüchternen, aber zugleich nachdenklichen Blick auf das politische System zu werfen und deutlich zu machen, dass Demokratie nicht nur von Mehrheiten lebt, sondern auch von Mut, Ideen und ehrlicher Kommunikation.
Wir danken an dieser Stelle der Pfarrei St. Dionysius für die Organsiation und die Ausrichtung dieser Veranstaltung. Diese moderne Interpretation von Kirche als Ort der Begegnung und des Beisammenseins zeigt die engagierte und ambitionierte Arbeit von Herrn Dr. Petrat sehr eindrucksvoll. Ebenso geht unser Dank an den wirklich talentierten Mann an der Orgel, welcher an diesem Abend berührende Neuinterpretationen von zwei modernen Stücken spielte.
Die Einnahmen aus dieser Veranstaltung gehen an den katholischen Verein für soziale Dienste, welcher u.a. die Suppenküche unterstützt. Auch an dieser Stelle ein großes Danke an Robin Alexander für diese großartige Leistung!